Antike Reliquien zum Schleuderpreis: Wie der arabische Frühling zum Ausverkauf antiker Grabbeigaben wurde

Antike Reliquien zum Schleuderpreis: Wie der arabische Frühling zum Ausverkauf antiker Grabbeigaben wurde

Der vielfach begrüsste arabische Frühling läutet das Ende vieler diktatorischer und menschenverachtender Regimes ein und schafft Umbruch auf politischer und auch gesellschaftlicher Ebene, wurde noch vor wenigen Jahren angenommen. Dass sich das Machtvakuum der nun führungslosen Staaten durch sich gegenseitig bekämpfende religiöse und ethnische Gruppen ausfüllen wird, wurde allerdings meist nicht bedacht. Die Instabilität und Unsicherheit der Regionen führen zu enormen wirtschaftlichen Einbrüchen im Fremdenverkehr der auf den Tourismus angewiesenen Länder, was vor allem die ansässige einfache Bevölkerung zu spüren bekommt. Diese weiss sich oft nicht mehr zu helfen finanziell durchzukommen und sieht sich gezwungen die kulturellen Schätze aus vergangenen Jahrhunderten illegal im Internet zu verscherbeln.

Der wirtschaftliche Einbruch

Der Preis der Freiheit war für die meisten Staaten, in denen Umbrüche während des arabischen Frühlings stattgefunden haben sehr gross. Denn so wuchs die Wirtschaft unter den davor herrschenden Diktatoren wie etwa in Ägypten Husni Mubarak stabil mit einer Steigerung von 4-5 Prozent pro Jahr, dank Erdöl, Bodenschätzen und Fremdenverkehr steigerten sich auch andere Staaten rapide in ihrem jährlichen wirtschaftlichen Schaffen.
Seit den ersten Wellen des arabischen Frühlings sind es hingegen nur noch bestenfalls 2 bis 3 Prozent, was für die an der Bevölkerungszahl stark wachsende Region zu wenig ist, so stieg etwa die Jugendarbeitslosigkeit in Tunesien auf 17 Prozent an. Die meisten Touristen bekamen durch die sozialen Unruhen und Massendemonstrationen einen schlechten Eindruck und ziehen andere Urlaubsländer vor. Aber auch internationale Unternehmen und im Besonderen rohstofffördernde und ölfördernde Firmen waren die Standorte nun zu unsicher.

Verzweiflung unter der vom Tourismus abhängigen Bevölkerung

Besonders unter den Menschen, die direkt vom Tourismus profitierten und so ihren Lebensunterhalt bestritten, macht sich seit dem arabischen Frühling blanke Verzweiflung breit. Denn durch den staatspolitischen Umbruch im Land blieben die gewohnten Massen an Touristen plötzlich aus, die gesamte Fremdenverkehrsbranche verlor 70-80 Prozent ihrer Kundschaft. So mussten viele Angestellte entlassen werden, aber auch Freiberufler wie etwa Taxifahrer, Fremdenführer, Ladenbesitzer, etc. kommen um den Löwenanteil ihres Einkommens.

Kulturraub als letzter Ausweg vor dem finanziellen Ruin

So werden aus immer mehr verzweifelten ehemaligen Kleinunternehmern und Tourismusangestellten an der Grenze zur Armut illegale Antiquitätenhändler und Grabräuber. Ohne Angaben gegenüber den Behörden werden hier kostbare Antiquitäten und Grabbeigaben an die wenigen verbliebenen Touristen in Hinterzimmern für meist einige hunderte bis tausende US-Dollar verkauft, die Anzahl der Fälschungen ist jedoch hoch.

Ein gut strukturiertes Geschäft

Der Grossteil der antiken Schätze und Kulturgegenstände wird jedoch illegal über das Internet verhökert. Der grösste Markt stellt hier die USA dar, aber auch Europa ist ein gut funktionierender Absatzmarkt. Die Kunstschätze werden teils über verschlüsselte Websites mit kryptischen Internetwährungen verkauft, oft aber auch ganz banal auf ganz einfach zu findenden Webseiten versteigert.
Die Beschaffung der antiken Wertgegenstände erfolgt zwar meistens über illegale Ausgrabungen, Diebstahl und Raubbau, es handelt sich jedoch nicht immer um reine Nacht-und-Nebel-Aktionen. Viele Raubzüge werden bei helllichtem Tag vor den Augen bestochener Beamten gemacht, selbst vor Museen wird nicht haltgemacht, um durch den Verkauf schnelles Geld zu lukrieren. Beim Kunstraub handelt es sich in vielen Regionen bereits um ein mafiaähnlich aufgebautes Konstrukt, bei dem Kinder und Jugendliche als Gräber eingestellt werden, andere Beteiligte wiederum wickeln den Online-Verkauf oder das Bestechen der Behörden ab. Unabhängige Antiquitätenpolizisten gibt es wenige, ihre Anzahl reicht für das Patrouillieren bei den unglaublich vielen antiken Grabstätten und –orten zumeist bei weitem nicht aus.

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