Kunstgeschichte: Gab es auch bedeutende Künstlerinnen?

Kunstgeschichte: Gab es auch bedeutende Künstlerinnen?

Frauen findet man in der bildenden Kunst nur vereinzelt – die gesellschaftlich vorgegebenen Aufgaben der Kindererziehung und Haushaltsführung ließen Frauen stets wenig Raum für künstlerische Entwicklung.

Man traute ihnen nicht die schöpferische Genialität ihrer männlichen Kollegen zu, denen in der Regel Künstlerwerkstätten und später Akademien vorbehalten waren. Daher wundert es nicht, dass die ersten Künstlerinnen meist aus Künstlerfamilien stammten.

Im 17. und 18. Jahrhundert gab es etwa sechs bis zehn nennenswerte Künstlerinnen: wie zum Beispiel die niederländische Malerin Judith Leyster (1606-1660), die Italienerin Artemisia Gentileschi (1593-1652) und die venezianische Pastellmalerin Rosalba Carriera (1675-1757).

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts konnten sich jedoch Künstlerinnen im Zuge avantgardistische Strömungen teilweise in traditionell männlichen Techniken wie der Bildhauerei durchsetzen. Ab 1900 durften Frauen Kunstakademien besuchen. In dieser Periode ist vor allem die Bildhauerin und Grafikerin Käthe Kollwitz (1867-1945) zu nennen, deren Arbeiten auch politisch motiviert waren.

In der frühen UdSSR waren viele Frauen Teil der künstlerischen Avantgarde: so zum Beispiel die Malerin und Designerinnen Aleksandra Exter (1882-1949) und Natalija Gontscharowa (1881-1962).

Allerdings arbeiteten die meisten Künstlerinnen zumeist eng mit ihren teils berühmten männlichen Lebenspartnern – wie zum Beispiel die expressionistische Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907; Frau von Otto Modersohn), die Schweizer Malerin und Bildhauerin Sophie Taeuber-App (1889-1943; Frau von Hans Arp) oder die französische Bildhauerin und Malerin Camille Claudel (1864-1943; Frau von Auguste Rodin).

Seit Ende der 1960er Jahre verstärkte sich unter dem Einfluss des Feminismus das weibliche Selbstbewusstsein, sodass immer mehr Frauen gleichberechtigt neben ihren männlichen Partnern arbeiteten. Hier seien vor allem die Künstlerpaare Christo und Jeanne-Claude und die Industriefotografen Bernd und Hilla Becher zu nennen.

In den 1960er und 1970er Jahren „stürmten“ viele Künstlerinnen die neuen Medien und arbeiteten mit Videoperformances- und installationen wie zum Beispiel die in Jugoslawien geborene Performance-Künstlerin Marina Abramovic (geb. 1946).

Für ihre Video-Performance-Installation Balkan Baroque, die im Jahr 1997 bei der 47. Biennale di Venezia aufgeführt wurde, erhielt sie den Goldenen Löwen. Mit der Performance wollte die Künstlerin den Zerfall ihrer Heimat und die vielen Toten der Jugoslawienkriege ausdrücken.

Die deutsche Aktionskünstlerin Rebecca Horn (geb. 1944), eine der profiliertesten deutschen Künstlerinnen, gestaltet autobiografisch geprägte, raumbeherrschende Installationen und Fantasiemaschinen aus unterschiedlichsten Materialien. 1993 hatte die Künstlerin als erste Frau eine Einzelausstellung im New Yorker Guggenheim-Museum.

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Horn stelle mehrere Male auf der Documenta (weltweit bedeutendste Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst) in Kassel aus und wurde etliche Male mit wichtigen Kunstpreisen ausgezeichnet (so zum Beispiel Carnegie Prize, Berliner Bär und Praemium Imperiale).

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