Kunstzerstörung durch Terror: Wie der Islamische Staat die Kunstschätze des Orients ruiniert

Kunstzerstörung durch Terror: Wie der Islamische Staat die Kunstschätze des Orients ruiniert

Der Islamische Staat, auch als IS oder ISIS bekannt, ist für seine Gräueltaten und seine Brutalität gegenüber anderen Kulturen und Religionen bekannt. Allerdings auch andere Glaubensrichtungen innerhalb des Islams werden nicht nur missachtet sondern sogar verfolgt und nach Möglichkeit ausgelöscht. Doch abgesehen von den horrenden Gräueltaten, die sich gegen Menschen richten, richtet sich die Zerstörungswut der IS-Kämpfer auch gegen die Kunst. So werden bei den Eroberungszügen ganze Kulturstätten niedergebrannt und Jahrtausende alte Tempel und Denkmäler zerstört und vernichtet. Warum richtet sich der Hass der Terroristen allerdings auch gegen die augenscheinlich unpolitische Kunst, anstatt sie wie viele andere Terrorgruppen zu verkaufen oder selbst für Propagandazwecke einzusetzen? Wir werfen einen Blick hinter die kruden Taktiken des Islamischen Staates.

Kampf der Kulturen

Sie denken, dass Museen und alte Tempel eine unpolitische oder gar uninteressante Beigabe eines erfolgreichen Raubzugs für die Terroristen sind? Dann müssen wir Sie enttäuschen. Die meisten historisch wertvollen Gebäude, die vom IS zerstört werden, haben einen für die IS-Ideologie verwerflichen Hintergrund. So wurden etwa die Überbleibsel der antiken Stadt Hatra im nördlichen Irak von den IS-Rebellen zerstört, eine Wiege der modernen westlichen Zivilisation.
Besonders im Blickfeld der IS stehen natürlich die Monumente und Kulturgüter des Feindes, also die des Christentums, der Kurden, Schiiten, Alewiten oder anderen Glaubensrichtungen und besonders die des „ungläubigen“ Westens. Beispielsweise wurden nach der Vertreibung der Christen aus der Region Mossul ganze Städte christlichen Glaubens wie etwa Karakosh zerstört, aber genauso aber auch nahe Klöster in Brand gesteckt. Es gibt bei der IS kein Stoppen, selbst wertvolle, alte Manuskripte und die gesamte Inneneinrichtung fallen den Barbaren durch den Feuertod zum Opfer.

Instrument zur Propaganda

Zwar könnte das Regime des Islamischen Staates versuchen, aus den Kunst- und Kulturgegenständen und –bauten Geld zu schöpfen, dem Gesamteindruck der Terrororganisation würde es allerdings eher schaden. Denn anders als beispielsweise Al-Qaida bauen die Terroristen auf modernste Videotechnik, dessen Produktionen vor allem eines darstellen sollten: Macht und Fanatismus. Dieser Fanatismus drückt sich genauso im Abschneiden von Köpfen wie im Umstossen und Zerstören von Statuen des Feindes aus, wie der genauen Dokumentation von Schriftenverbrennungen christlicher Klöster und zieht auch viele Jugendliche und junge Erwachsene an – aus sozial schlechten Situationen aber fast gleich stark auch aus gebildeten und strukturierten Umfeldern. Das Interesse am IS vieler Jugendlicher wird durch geschickte Propaganda auf emotionaler Ebene erzeugt – das die neuen Rekruten nur aus sozialen Problemfällen bestehen ist leider ein vielfach widerlegter Fakt.
Neben dem Abschlachten der feindlichen Truppen ist nämlich auch das nachhaltige Zerstören der Kultur des Feindes ein wichtiger Teil der Demütigungstaktik des Islamischen Staates. Genau die Propaganda von der Zerstörung von Tempeln und zum Beispiel Buddha-Statuen übt einen besonderen Reiz auf viele potenzielle zukünftige IS-Kämpfer in westlich geprägten Ländern aus. Die blinde Zerstörungswut vermittelt ein Gefühl der Rebellion – wer sich ihnen anschliesst muss quasi vor niemanden und nichts mehr Respekt haben.
Bei der Zerstörung der Tempel und Kulturgüter des IS handelt es sich keinesfalls um eine tolerierte Aktion wildgewordener Terroristen im Siegesrausch, sondern vielmehr um eine bewusst gewählte Strategie zur Einschüchterung des Feindes und Stärkung der eigenen Propaganda. So wird der IS auch in Zukunft vor der Vernichtung weltweit einzigartiger Kulturgüter nicht Halt machen – es sei denn man zwingt ihn dazu.

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